TORÖFFNER DER MODERNE

Die Oberösterreicher treiben es bunt mit dem Bauhaus: Anton Kehrers: "lightflow_coloured glass/mixed"

Oberösterreichs Beziehungen zum Bauhaus in der Landesgalerie Linz

Die Bauhaus-Bewegung hat auch in Oberösterreich ihre Spuren hinterlassen. Welche, das beleuchtet eine Ausstellung in der Landesgalerie Linz.

Der Anspruch der Bauhaus-Bewegung war von Anfang an, sowohl künstlerisch als auch gesellschaftspolitisch formuliert, und damit auch auf internationale Wirkung ausgelegt. Kuratorin Inga Kleinknecht untersucht in der von ihr gestalteten Ausstellung Bauhaus-Beziehungen Oberösterreich die Wirkungen und Auseinandersetzungen mit dem Bauhaus in Oberösterreich. In der Oberösterreichischen Kunstszene wirkten beispielsweise Bauhaus-Schüler wie Rudolf Baschant, Hans Joachim Breustedt oder Franz Oehner.

Inga Kleinknecht geht es in der Ausstellung aber auch um eine kritische Auseinandersetzung mit der Bauhaus-Bewegung, deren teilweise ideologischen Positionen in den vergangenen Jahrzehnten auch einem kritischen Diskurs unterzogen wurden.

Die Künstlerin Anna Artaker beleuchtet in der Ausstellung auf Basis von Bauhaus-Fotografien beispielsweise die Rolle der Frauen in dieser hauptsächlich von Männern dominierten Lehr- und Geburtsstätte der Moderne und Abstraktion.

Viele aus dem Umfeld des Bauhaus stammenden Designobjekte sind heute zu Klassikern geworden, wie der Stuhl „Wassily“ von Marcel Breuer oder auch ein Türklinkenentwurf von Walter Gropius. Diesen nimmt der oberösterreichische Künstler Alfred Grubbauer zum Ausgangspunkt für eine Installation, die sich mit filmischen Mitteln eines Comics dem Objekt annähert.

Aber nicht nur stilistische Verweise im Produktdesign sind nach wie vor sichtbar, auch die Ideen des Bauhaus, das 1919 von Gropius in Weimar gegründet und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde, wirken bis in die Gegenwart.

Kleinknecht sieht heute noch einen starken Einfluss der Bauhaus-Ideen auf die Kunstpädagogik in den Schulen und Kunstschulen. Bei der Neugründung der Kunstschule Linz Ende der 1940er Jahre spielte das Konzept der deutschen Künstlervereinigung in den Diskussionen über Lehrmethoden eine wichtige Rolle, da die Grundprinzipien des Bauhaus-Konzeptes, u.a. das gemeinsame Gestalten über verschiedene Disziplinen hinweg, die Ausbildung der Lehrer (Bauhaus– Meister und Schüler) nach dem Bauhaus– Vorbild, immer noch Modellcharakter besitzen.

Nach der Auflösung des Bauhaus 1933 trugen die Lehrenden und Schüler den Bauhaus-Stil in die Welt hinaus. Auch in Oberösterreich ist ihr Einfluss spürbar. Allen voran der Herbert Bayers, der international mit seinen Werken als wichtiger Vertreter der Moderne gilt. Eine Brunnenskulptur des Künstlers steht z.B. im Linzer Donaupark. Er verstand sich auf nahezu alle Ausdrucksformen der bildenden Kunst über Zeichnung, Malerei, Druckgrafik bis hin zur Fotografie. Zu letzterem kam er über seine Frau Irene Hecht-Bayer, die eine der wenigen „Bauhäuslerinnen“ war.

INFO
Bauhaus-Beziehungen Oberösterreich
18.05. – 27.08.2017
Landesgalerie Linz

„Herbert Bayer – Sepp Maltan:
Italienische Reise“
18.05. – 27.08.2017
Landesgalerie Linz

„particles“
Inge Gappmaier
Choreografie zur Ausstellung
in Kooperation mit dem
tanzhafenFESTIVAL Linz
28.05.2017, 14.00
Festsaal, Landesgalerie Linz

www.landesmuseum.at

 

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