„21. Philosophicum Lech“ – Mut zur Faulheit. Die Arbeit und ihr Schicksal / Lech am Arlberg 2017

Existenzielle Frage für Philosophen: Ist lesen Arbeit?

20.09. – 24.09.2017; Lech am Arlberg.
Nix schaffe schaffe. Nix Hüsle baue.

Das diesjährige Philosophicum Lech hinterfragt die Zukunft der Leistungsethik.

Eines hat man den Vorarlbergern bisher kaum vorgeworfen: Faulheit. Das Klischeebild von den stets fleißig ihren Arbeitsethos erfüllenden Alemannen droht aber unter die Räder des digitalen Wandels der Arbeitswelt zu geraten. Das diesjährige Philosophicum Lech hinterfragt, was das bedeuten könnte.

Was werden wir in Zukunft unter Arbeit verstehen, wenn uns in vielen Bereichen Maschinen und Algorithmen große Teile jener Tätigkeiten abnehmen, die wir heute noch als Erwerbsarbeit verrichten? Macht es überhaupt Sinn, den protestantischen Ethos „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ weiter zu propagieren, wenn uns die Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen, bald immer mehr ausgehen wird?

Die Pflicht zur Arbeit war bisher fundamentale Grundlage des Sozialvertrages in fast allen Gesellschaften. Auch über Ideologiegrenzen hinweg: Sowohl im Kommunismus als auch im heute dominierenden neoliberalen Finanzkapitalismus. Wenn auch mit deutlich unterschiedlichen Schlussfolgerungen und Imperativen.

Bisher bestand weitgehende Einigkeit darüber, dass „Arbeit offenbar die entscheidende Quelle für Wohlstand, Wert und Würde des Menschen – ungeachtet der politischen Richtung ist“, wie es Konrad Paul Liessmann, der wissenschaftliche Leiter des Philosophicum Lech zusammenfasst.

Paul Lafargue hat diesem Arbeitsethos schon Ende des 19. Jahrhunderts ein „Recht auf Faulheit“ entgegen gehalten. Seine Kritik setzt dabei an der vermeintlichen Notwendigkeit eines permanenten Wirtschaftswachstums und dem damit verbundenen „Konsumzwang“ an. Lafargues Kritik an der – wie er es nennt – „Religion der Arbeit“ ist aus der Perspektive der damaligen Zeit zu sehen, und hat damals sowohl die Kritik kapitalistischer als auch kommunistischer Theoretiker auf sich gezogen.

Arbeitsauftrag für Philosophicum-Teilnehmer: Faul rumsitzen und mitdenken.

Heute, an der Schwelle zu einer Zeit, in der einerseits künstliche Intelligenz und Robotik die Arbeitswelt unumkehrbar verändern und andererseits weltweit zu Ende gehende Ressourcen dem Dogma eines permanenten Wirtschaftswachstums die Grundlagen entziehen, sind die Rahmenbedingungen vollkommen andere. Die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen ist auch im Lichte von Perspektiven zu sehen, in der Vollbeschäftigung im traditionellen Sinn des Erwerbsarbeitsbegriffes immer schwerer zu erreichen sein wird.

Zur Debatte steht dabei nicht nur der Arbeitsethos als solcher, sondern auch ganz grundsätzlich das Begriffsverständnis von Arbeit – oder eben auch seinem vermeintlichen Gegenteil, der Faulheit. Was meinen wir mit diesen Begriffen heute überhaupt? In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen in ihrer individuellen Lebensplanung zunehmend von diesem „alten“ Arbeitsethos entfernen und andere aus ihrer Perspektive sinnstiftende Werte in den Vordergrund stellen, ist das wohl eine der spannendsten Fragen, mit der man sich beschäftigen kann. Das Philosophicum Lech sucht Antworten darauf.

INFO

21. Philosophicum Lech
Mut zur Faulheit. Die Arbeit und ihr Schicksal
20.09. – 24.09.2017
Lech am Arlberg

Philosophisch-literarischer Vorabend:
Michael Köhlmeier und Konrad Paul Liessmann – Von der Trägheit des Herzens
20.09.2017, 18.00 Uhr

Tractatus – Der Essaypreis des Philosophicum Lech
Preisverleihung
22.09.2017, 21.00 Uhr

www.philosophicum.com 
TEILEN