Crossing Europe Filmfestival / Linz 2018

The European Grandma Project

25.04. – 30.04.2018; Linz.
Die Omas sind nicht zu bremsen. Das Linzer Crossing Europe Filmfestival lehrt uns den Respekt vor dem Alter.

Für ein europaweit angelegtes Filmprojekt haben Großmütter ihren Enkelinnen ihre Geschichten erzählt. Sie waren Zeuginnen zeitgeschichtlicher Ereignisse und können aus eigener Erfahrung sprechen, wenn es darum geht, aus der Geschichte zu lernen.

Das Crossing Europe Filmfetival eröffnete heuer mit der Weltpremiere des „European Grandma Projet“ an dem sich Filmemacherinnen aus neun europäischen Ländern beteiligt haben. Initiiert wurde das Projekt von der Linzer Filmemacherin Alenka Maly, die ihre eigene intensive „Gesprächsbeziehung“ mit ihrer Großmutter zum Anlass für dieses transeuropäische Oral-History-Filmprojekt genommen hat. 2015 startete sie einen europaweiten Aufruf und fand acht gleichgesinnte Filmemacherinnen, die in Israel, Griechenland, Italien, Island, Bulgarien, Russland, England, der Türkei und Österreich parallel zueinander ihre Großmütter portraitierten.

Diese, in den 20er und frühen 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts geborenen Frauen, erzählen darin ihren filmenden Enkelinnen von Krieg, politischen Umwälzungen, Liebe und Alltag zu ihrer Zeit in Europa. Fast alle der Großmütter sind über 90 Jahre alt, sie erinnern sich an Anekdoten, Liebesgeschichten und fürchterliche Tragödien, während sie ihren alltäglichen Verrichtungen nachgehen, beim Friseur sitzen oder sich ausruhen, und all das mit einnehmender Offenheit und hintergründigem Witz.

Alenka Maly und ihren Mitstreiterinnen gelang das Kunststück, ein stimmiges Panorama europäischer Zeitgeschichte auf Film zu bannen und einer Gruppe starker Frauen ein kleines filmisches Denkmal zu setzen, das der Nachgeborenen-Generationen einen Einblick in die dunklen Kapitel europäischer Geschichte des 20. Jahrhunderts ermöglicht.

„Aus der Geschichte lernen“ bildet gewissermaßen die programmatische Klammer des diesjährigen Crossing Europe Filmfestivals, für das Christine Dollhofer und ihr Team über 170 Filme aus ganz Europa zusammengestellt haben.

Denn auch der Abschlussfilm des Festivals lehrt uns aus der Geschichte viel für die Gegenwart. Auf der Grundlage des von Anna Seghers im Exil verfassten Romans „Transit“ hat der Deutsche Regisseur Christian Petzold den gleichnamigen Film gestaltet, der beim Crossing Europe Festival seine Österreichpremiere feiern wird. Es ist eine Geschichte von Vertreibung, Flucht und Migration, die in Marseille Anfang der 40er Jahre spielt.

Mit seinem Wettbewerbsbeitrag für das Filmfestival in Cannes geht der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó bei Crossing Europe an den Start: „Jupiters Moon“ ist eine Geschichte über Ungarns Abschottungspolitik aus der Perspektive eines jungen syrischen Flüchtlings, der im Angesicht einer unbarmherzigen Staatsmacht in eine Parallelwelt der Phantasie entschwebt.

Crossing Europe steht für eigenwilliges, zeitgenössisches und gesellschaftspolitisches AutorInnenkino. Festivalleiterin Christine Dollhofer wählt die Filme mit dem Ziel, die Vielgestaltigkeit des europäischen Kinos und damit verbunden die des Kontinents Europa zu zeigen.

 

Crossing Europe Filmfestival
25.04. – 30.04.2018

Raum, Macht, Kontrolle
Dokumentarfilmreihe in Koop mit dem afo

Cinema Next Europe
Nauchwuchsfilmreihe

Nachtsicht
Positionen des fantastischen Films
u.v.m

Various locations
Linz
www.crossingeurope.at

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