{"id":4294,"date":"2018-01-17T12:14:11","date_gmt":"2018-01-17T12:14:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.creativeaustria.at\/2018\/01\/17\/astrid-hainzl-genderforscherin\/"},"modified":"2018-01-17T12:14:11","modified_gmt":"2018-01-17T12:14:11","slug":"astrid-hainzl-genderforscherin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.creativeaustria.at\/en\/2018\/01\/17\/astrid-hainzl-genderforscherin\/","title":{"rendered":"Astrid Hainzl \u2013 Muster hinter Rollenbesetzung in Gremien"},"content":{"rendered":"<h1>Zu wenige Frauen in Aufsichtsgremien \u2013 Welche Mechanismen f\u00fchren dazu, dass der Frauenanteil in Aufsichtsgremien so gering ist?<\/h1>\n<p>Die Wiener Gender-Forscherin Astrid Hainzl besch\u00e4ftigte sich mit den Gr\u00fcnden,\u00a0 warum so wenige Frauen in den Aufsichtsgremien \u00f6sterreichischer Unternehmen vertreten sind. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei vor allem die sozialen Handlungsmuster, die den Weg von Frauen in solche Gremien erschweren oder blockieren.<\/p>\n<p>Frauen sind in den Aufsichtsgremien gro\u00dfer Unternehmen immer noch drastisch unterrepr\u00e4sentiert. In zahlreichen L\u00e4ndern wurde in der j\u00fcngeren Vergangenheit eine Debatte \u00fcber die Einf\u00fchrung von Frauenquoten in solchen Gremien gef\u00fchrt. In einigen L\u00e4ndern hat man diesbez\u00fcglich zumindest f\u00fcr b\u00f6rsennotierte Unternehmen auch gesetzliche Quotenbestimmungen eingef\u00fchrt, wie beispielsweise im Jahr 2016 in Deutschland f\u00fcr die 30 gr\u00f6\u00dften Unternehmen, die im deutschen B\u00f6rsenindex DAX notieren. Mit solchen Ma\u00dfnahmen werden aber nicht die Ursachen f\u00fcr die grundlegenden Genderungleichgewichte in Aufsichtsgremien bearbeitet oder beseitigt. Und gesetzliche Quotenregelungen werden auch von vielen Frauen abgelehnt, weil man nicht als \u201eQuotenfrau\u201c betrachtet werden m\u00f6chte. Obwohl in zahlreichen Studien der Nachweis gef\u00fchrt wurde, dass ein h\u00f6herer Frauenanteil in Aufsichtsgremien der nachhaltigen Entwicklung dieser Unternehmen dient, hat sich an den grundlegenden M\u00e4nner bevorzugenden Selektionsmechanismen f\u00fcr die Auswahl der Personen in diesen elit\u00e4ren Zirkel in den letzten Jahren wenig ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Wiener Gender-Forscherin Astrid Hainzl hat das Thema der Unterrepr\u00e4sentanz von Frauen in \u00f6sterreichischen F\u00fchrungsgremien nun in einer Forschungsarbeit mit dem Titel \u201eDie Reproduktion des m\u00e4nnlichen Aufsichtsrates \u2013 Homosoziale Praktiken in der Evaluierung von Kandidatinnen und Kandidaten\u201c innovativ aufgegriffen. Durch ihre Arbeit wurden wesentliche Vorarbeiten f\u00fcr weitere Erkenntnisse \u00fcber die komplexen Zusammenh\u00e4nge von Geschlechterverh\u00e4ltnissen und Arbeitsprozessen geleistet.<\/p>\n<blockquote><p>Tradierte Rollenbilder stehen dem beruflichen Aufstieg der Frau im Weg<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie erbrachte damit einen wissenschaftlich fundierten Beitrag im Bem\u00fchen um das Wissen, welche Mechanismen zu vertikaler Geschlechtersegregation f\u00fchren, und wie man sie in weiterer Folge auch reduzieren kann. Astrid Hainzls Studie an der Schnittstelle von Wirtschaft und Gesellschaft beleuchtet das Faktum, dass trotz der \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber den geringen Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der \u00f6sterreichischen Gesellschaften eben dieser Anteil nur in geringem Ma\u00dfe steigt. Astrid Hainzl legt dabei den Fokus auf die Evaluierung von Zandidatinnen und Kandidaten. Dabei geht es aber nicht, wie von vielen bisherigen Studien forciert, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten. Es wird vielmehr aufgezeigt, welche weitgehend unreflektierten und unbewusst stattfindenden homosozialen Praktiken zur Bevorzugung von M\u00e4nnern f\u00fchren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1721\" aria-describedby=\"caption-attachment-1721\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1721 size-full\" title=\"\u00a9 Michael Dully\" src=\"http:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1.jpg 1000w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-80x60.jpg 80w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-696x522.jpg 696w, https:\/\/www.creativeaustria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hainzl_Vortrag-1-560x420.jpg 560w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1721\" class=\"wp-caption-text\">Astrid Hainzl bei einem Vortrag.<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Untersuchung der homosozialen Praktiken bei Bewerbungsverfahren f\u00fcr Aufsichtsratspositionen<\/h4>\n<p>Auf der Grundlage einer qualitativ explorativen Studie mittels einer Reihe von Interviews mit ausgew\u00e4hlten Expertinnen und Experten, Aufsichtsratsmitgliedern und Vorst\u00e4nden sowie Personalberater_innen, die mit der Besetzung befasst sind, werden typische Charakteristika der Auswahl herausgearbeitet. Dabei zeigt sich ein Verhaltensmuster, das M\u00e4nner bevorzugt, weil zum Beispiel Vertrauen in typischen M\u00e4nnerrunden und M\u00e4nnernetzwerken gebildet wird (im homosozialen Kontext), und dieses Vertrauen ausschlaggebendes Moment f\u00fcr die Besetzung der Gremien ist. Weder die fachliche Qualifikation noch die Notwendigkeit der unterschiedlichen Besetzung\u00a0der einzelnen Positionen k\u00f6nnen dieses Kriterium schlagen. Die Arbeit zeigt, dass der Leim der pers\u00f6nlichen Bekanntschaft einer der ma\u00dfgeblichen Schl\u00fcssel f\u00fcr die Besetzung ist. Astrid Hainzls Arbeit zeichnet sich besonders durch ihre Aktualit\u00e4t aus.<br \/>\nDas Thema der Aufsichtsratsbesetzung und -Zusammensetzung ist nicht nur medial, sondern auch politisch viel diskutiert. Derzeit ist ein Entwurf f\u00fcr eine EU-weite Vereinheitlichung der Auswahlbestimmungen in Ausarbeitung. In diesem wird verankert, dass die Auswahl nicht \u201eunsachlich\u201c sein darf. Wissenschaftlich fundierte Argumentationen, wie sie mit Hainzls Arbeit vorliegen, sind nicht zuletzt aus diesen Gr\u00fcnden f\u00fcr die politik-vorbereitende Arbeit hilfreich.<br \/>\nEin Blick auf die Zahlen der gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Unternehmen in \u00d6sterreich zeigt, wie weit \u00d6sterreich in diesem Bereich nachhinkt: In den Aufsichtsr\u00e4ten der Top-200-Unternehmen von \u00d6sterreich liegt der Frauenanteil 2016 bei 17,7 %. Damit ist der Frauenanteil im Vergleich zum Jahr 2015 (16,2 %) zwar gestiegen, aber immer noch sehr gering. In den Vorst\u00e4nden ist der Frauenanteil noch geringer, dort liegt er 2016 bei 7,2 % und ist damit seit dem Vorjahr um 1,3 % gestiegen. Damit bleibt \u00d6sterreich in Sachen Frauen in leitenden Positionen weit hinter dem EU-Durchschnitt von 21 %.<br \/>\nAstrid Hainzl, die f\u00fcr ihre Arbeit mit dem Gabriele-Possanner-Preis ausgezeichnet wurde, macht mit ihrer Studie die versteckten sozialen Muster sichtbar, die zu diesen Zahlen f\u00fchren. Aus ihrer Arbeit l\u00e4sst sich folgendes Fazit ziehen: In erster Linie muss der Prozess der Besetzung von F\u00fchrungspositionen in Frage gestellt werden \u2013 vor allem dort, wo es um Qualifikationsanforderung und -messung geht. Laut Astrid Hainzl braucht es eine klare Profilerstellung in Abstimmung mit vorhandenen Eigenschaften und Qualifikationen der bestehenden Mitglieder, um die g\u00e4ngigen Muster bei Evaluierungsverfahren durchbrechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Astrid Hainzl<\/strong><br \/>\nUniversit\u00e4tsassistentin an der WU WIEN<br \/>\n\u201eDie Reproduktion des m\u00e4nnlichen Aufsichtsrates \u2013 Homosoziale Praktiken in der Evaluierung von Kandidatinnen und Kandidaten\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wu.ac.at\">www.wu.ac.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu wenige Frauen in Aufsichtsgremien \u2013 Welche Mechanismen f\u00fchren dazu, dass der Frauenanteil in Aufsichtsgremien so gering ist? Die Wiener Gender-Forscherin Astrid Hainzl besch\u00e4ftigte sich mit den Gr\u00fcnden,\u00a0 warum so wenige Frauen in den Aufsichtsgremien \u00f6sterreichischer Unternehmen vertreten sind. 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