OPEN MIND Festival / Salzburg

Showcase Beat Le Mot "Walden" (c) Janosch Abel

Wem gehört die Welt? Und wem gehört die Natur? Diesen Fragen geht das diesjährige OPEN MIND Festival in Salzburg nach. 

Das Ende der Welt können wir uns leichter vorstellen, als das Ende des Kapitalismus.“ 

Diese provokante These des britischen Philosophen und Kulturtheoretikers Mark Fisher bildet einen Ausgangspunkt für das Programm des diesjährigen OPEN MIND Festivals in Salzburg. Fisher verdeutlicht damit, wie sehr die Dominanz eines paradigmatisch geprägten Wirtschaftsmodells unser Denken an sich einzuschränken in der Lage ist. Was aber, wenn die zu Grunde gelegten Paradigmen gar nicht stimmen oder gelten? Nach Fischers Ansicht beschreibt dieses Wirschaftsmodell daher nur einen Zeitgeist, in dem es allerdings „mittlerweile fast denkunmöglich geworden ist, sich eine kohärente Alternative überhaupt vorzustellen.“ 

Theresa Seraphin und Sebastian Linz, die neuen Leiter des OPEN MIND Festival haben für die diesjährige Ausgabe des Festivals ein Programm zusammengestellt, das dazu einlädt, eben dieses Denkunmögliche zu denken. 

Die Corona-Krise hat uns inzwischen ja gezeigt, wie wirtschaftspolitische Dogmen, die in den vergangenen Jahrzehnten als „alternativlos“ gegolten haben, innerhalb weniger Wochen über Bord geworfen wurden. Das Dogma des Null-Defizits: War gestern. Der Staat soll nicht mit staatlichen Interventionen den sogenannten „freien Markt“ stören: Gilt nicht mehr. In der Corona-Krise wird, genauso wie in der Finanzkrise 2008 deutlich: Die „freie“ Marktwirtschaft kann Krisen, die vom Modell nicht vorgesehen sind auch nicht bewältigen. 

Seraphin und Linz gehen mit ihrem diesjährigen Programm aber einen Schritt weiter. Was wir 2008 erlebt haben und auch jetzt erleben, war KrisenSYMPTOMbekämpfung. Das OPEN MIND Festival interessiert sich aber für neue denkmögliche Modelle, die dazu in der Lage sind, die KrisenURSACHEN zu überwinden. Die Metapher des Bundespräsidenten bringt es auf den Punkt: „Gegen den Klimawandel wird es keine Impfung geben.“ 

Zum Auftakt des Festivals diskutieren der Volkswirt Hans-Jürgen Jakobs und der Wirtschaftsinformatiker Ludger Eversmann die Frage: „Wem gehört das Kapital?“. Die Deutsche Philosophin Christine Ax untersucht die Frage, ob auch die Natur selbst Rechte besitzt, indem sie sich selbst gehört und daher auch nicht den Gesetzen des „Marktes“ unterworfen ist. 

Das Open Mind Festival zeigt auch auf, wie auf lokaler Ebene alternative Positionen entwickelt werden: Ausgehend von dem Konzept einer auf der Idee des Gemeingutes aufbauenden „Biokratie“ wird das Beispiel des Dorfes Sarayaku im Amazonasurwald Ecuadors vorgestellt, das sich bislang erfolgreich gegen das Eindringen internationaler Ölkonzerne in ihr Territorium wehren konnte. 

Die Theaterproduktion „Peasant Island“ von Silke Huysmans und Hannes Dereere nimmt die jüngere Geschichte des kleinen Inselstaates Nauru im Pazifik zum Ausgangspunkt für ein Stück, das die gesellschaftlichen und ökologischen Zwangsmechanismen des aktuell vorherrschenden Wirtschaftssystems drastisch verdeutlicht: Nachdem die ertragreichen Phosphatvorkommen Naurus ausgebeutet waren, stand der Staat vor dem Bankrott. Um Staatseinnahmen zu generieren, interniert Nauru nun Flüchtlinge und wird von Australien dafür bezahlt. 




OPEN MIND Festival 

12. – 21.11.2020 
ARGEKultur 
Ulrike-Gschwandtner-Straße 5 
5020 Salzburg 
www.argekultur.at