“Sofa 68” / esc medien kunst labor Graz 2018

23.11. – 14.12.2018; Graz.
“Der Mai 68 hat eigentlich nirgends viel bewirkt.” Pierre Bourdieu 1998.

Die Performance und Installation “Sofa 68” im esc medien kunst labor befasst sich mit der Konstruktion von Erinnerung. 1968 war das Fernsehen in Europa bereits zum Massenmedium geworden, wichtigste Ereignisse wie die Olympiade, die Mondlandung, der Vietnamkrieg, die 68er Proteste wurden vornehmlich über eben diese audiovisuellen Geräte direkt in Haushalte übertragen.

Die Diskussion über die 68er aus dem neoliberalen Diskurs geholt, dabei sind die Erinnerungen an die mediale Wirklichkeit und an ganz persönliche Befindlichkeiten Thema des, sich heuer zum 50. mal jährenden, Jubiläumsjahres.

Was ist mit den medialen Geschichten passiert, immerhin wurde die gesellschaftliche Bewegung der 68 vorwiegend über die Medien vermittelt? Wie wirkte die Rezeption von Wirklichkeit, die Erinnerung  versus Überlagerung aus? Was ist der Generation, die die 1968 als Jugendliche oder Erwachsene durchlebt haben heute noch wichtig, welche Spuren hat diese Zeit hinterlassen? Wurden neue Möglichkeits- und Denkräume eröffnet oder verpuffte die Bewegung in repressiver Toleranz oder eigenem scheinbaren Erfolg?

Zur Recherche wurden verschiedene Städte im weiteren Umkreis von Graz, dem ehemaligen Ostblock und Italien besucht. Menschen im Alter von 65-75 wurden über ihre Erinnerungen befragt. On- und Offlinearchive, Medien und Literatur erweitern die Audio- und Video-Mehrkanalinstallationen. “Sofa 68” ist nicht dokumentarisch, sondern nach ästhetischen, dramaturgischen und interpretatorischen Geschichtspunkten erstellt, die Bruchstellen und Widersprüche sichtbar machen.

Sofa 68
23.11. – 14.12.2018
Bürgergasse 5
8010 Graz
esc.mur.at

Umherschweifende Produzenten:
Seppo Gründler | Musik, Sound, Bilder
Rupert Lehofer | Dramaturgie, Schauspiel

„Der Mai 68 hat eigentlich nirgends viel bewirkt. Die Bewegung war symbolisch sehr wichtig, sie hat die Gehirne verändert, also die Denkweisen und Wahrnehmungen etwa von Hierarchien, Autorität, dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern – aber in der Wirklichkeit, und besonders im Schulsystem, hat sie nicht viel erreicht. Ich weiß noch, daß ich 68 von Fakultät zu Fakultät ging und sagte: ich bin mit Euch einverstanden, aber Achtung: es gibt nichts Schlimmeres als eine fehlgeschlagene Revolution! Denn die macht genauso viel Angst wie eine gelungene Revolution und ist doch nicht gelungen. Gegenwärtig sind wir nun tatsächlich in einer konservativen Revolution, meine ich, die zum Teil durch die Angst bestimmt ist, die viele Intellektuelle und andere im Mai 68 hatten, nicht nur in Europa, es war ja eine universelle Revolution von Berkeley bis Moskau.“

– Pierre Bourdieu 1998

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