“Diagonale 2020” / Graz

DerschönstePlatzaufErden © Golden Girls Elke Groen 3-1

24.03.2020 – 29.03.2020, Graz.

Das Diagonale Programm 2020.

Kuhfladenbingo: Die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films, trifft mit ihrem Eröffnungsfilm ins Schwarze. Oder Farbnuancen davon: Der schönste Platz auf Erden (AT 2020) von Elke Groens macht sich in Pinkafeld, dem Heimatort von Norbert Hofer, auf die Suche nach den alltäglichen Hintergründen und Ursachen für das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Ein Film der hinhört und die Menschen zu Wort kommen lässt, ohne zu urteilen. Der Humor ist schwarz, aber ehrlich. Der Zeitvertreib mitunter skurril: Kuhfladenbingo inklusive. 

Im historischen Special Sehnsucht 2020 – Eine kleine Stadterzählung werden 22 Filme gezeigt, kuratiert von Diagonale, dem Filmarchiv Austria, Österreichisches Filmmuseum und dem ORF-Archiv.  Das Wechselspiel von gebauter und gelebter Stadt steht hier im Fokus, ob Rotes Wien oder magisch-trashiges Graz, Manhattan oder queeres Opernmilieu. Michael Glawoggers Megacities (AT 1998) oder Barbara Alberts Sonnenflecken (AT 1988), Robert Dornhelms Probleme der Jugendlichen in Großsiedlungen (AT 1973) oder Curt M. Faudons & Max Vrecers Magic Graz (AT 1972). Die Retrospektive zeigt wichtiges und zum Teil lange nicht gesehenes zum Thema.

Die Reihe „Zur Person“ ist in diesem Jahr Jessica Hausner gewidmet, die auf eine Reihe kunstvoller, prägnanter Filme zurückblicken kann. Die Diagonale Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber finden mächtige Worte für die ambitionierte Filmemacherin. Von „betörend und bestechend“ ist hier die Rede, von „präziser Montage und sorgsam durchdachten Details“. Ob Lourdes (AT/FR/DE 2009) oder Little Joe (AT/DE/UK 2019), im Zentrum stehen oft Frauenfiguren die zwischen Einbildung, Eigensinn und Realität oszillieren. Eine bewusst hergestellte Künstlichkeit ist Hausners besonders Merkmal. Zur Person zeigt die Gesamtretrospektive Hausners und lädt sie, zusammen mit Attwenger Musiker Markus Binder, zu einer Listening Session.

Der diesjährige Trailer stammt von Jennifer Mattes (letztjährige Diagonale Preisträgerin) und zeigt in Anlehnung an Rainer Werner Fassbinder eine Art Pastiche, die in ausgewählten Vorstellungen wieder als Festival Ankündigung zu sehen sein wird. Einen Trailer aus dem Fundus der Filmgeschichte hat Mattes erschaffen, Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant (DE 1972) lieferte Versatz- und Stilelemente. Dabei bleibt Mattes Erzählung doch ganz bei sich selbst und visualisiert die Sehnsucht nach erfüllter Zeit. Mattes Arbeiten sind darüber hinaus noch im Kunsthaus Graz zu sehen; vom 20. März bis zum 19. April, in der Ausstellung Bars von Atlantis.


Diagonale 2020
24.03. – 29.03.2019
various locations
www.diagonale.at

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