DIAGONALE: Diagonale im Schulpyjama

(c) "Actually" von Sasha Pirker

Die DIAGONALE schwimmt gegen den Corona-Strom.
Der Dresscode für das Festival wird noch bekannt gegeben. 

„Nach dem Frühstück ziehe ich meinen Pyjama an und gehe in die Schule.“ 

Dieser Satz einer Volksschülerin stammt aus dem Dokumentarfilm „Vakuum“ von Kristina Schrank, der auf der diesjährigen DIAGONALE zu sehen sein wird. Er könnte möglicherweise in abgewandelter Form auch auf die Festivalbesucher der DIAGONALE selbst zutreffen. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses CREATIVE AUSTRIA Magazins stand noch nicht abschließend fest, ob die DIAGONALE, das Festival des Österreichischen Films, das die beiden Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber vorsorglich vom März in den Juni verlegt haben, tatsächlich „live“ in Graz stattfinden wird können, oder doch nur online. 

Kristina Schranks Film „Vakuum“ beschäftigt sich mit dem Alltag im Lockdown in der Südburgenländischen Heimat der Filmemacherin; mit Vereinzelung, Verlassenheit und einer Welt im Stillstand. Aber auch mit skurril-liebevollen Ideen wie einem choreografierten Handwaschtutorial für VolksschülerInnen vor der Wiedereröffnung der Volksschule. 

Manche denken bei Corona ja an eine Alien- Invasion: „Jesus: Aliens! I think“ , der Kurzfilm von Sophie Bösker, der bei der DIAGONALE uraufgeführt wird, portraitiert den Alltag der Familie Bösker, die während des ersten Lockdowns nicht ganz freiwillig wie- der gemeinsam unter einem Familiendach gelandet sind. Was in dem Film Skript und was echt ist, verrät Sophie Bösker nicht. Der Film zeichnet ein Bild eines lockdown-entrückten Alltags, in dem die Corona-Krise sichtbar macht, worüber sonst so leicht hinweg gesehen wird. Neurotische Schübe, zwanghaftes Rasenmähen und Eltern, die eine Alien-Invasion erwarten. 

Amüsante Beobachtungen des ernsten Alltags stehen im Mittelpunkt des Kurzfilmes „Actually – a Summer Film“ von Sasha Pirker: Von der Kunst des Schwimmens gegen Wellen über Leerstellen in der Sprache bis zu österreichischen Trinkgewohnheiten. Verwoben mit stummen Bildmontagen einer nur scheinbar unbeschwerten Familienfeier aus Thomas Vinterbergs erstem Dogma-95-Film Festen. Eine verschmitzte Filmminiatur als Einladung um gegen den Strom zu schwimmen und nachzudenken. 

Wer die Sendung ohne Namen kennt, hat auch schon Bekanntschaft mit den aberwitzigen Assoziationsketten von Sebastian Brauneis gemacht. 40 Folgen der Sendung hat er für den ORF gestaltet. Sein Spielfilm „Verabredung im Herbst“, der auf der diesjährigen DIAGONALE uraufgeführt wird, fügt dem Brauneis ́schem Universum nach dem Fiction-Thriller “Zauberer” und “3freunde2feinde” einen weiteren abendfüllenden Film hinzu. 

„Es gibt ganz verschiedene Arten der Liebe, aber gut ausgehen tut ́s fast nie“, erklärt ein Gärtner zu Beginn von Sebastian Brauneis neuem Film. 

Hoffen wir, dass zumindest die diesjährige DIAGONALE „gut ausgeht“ und doch live in Graz stattfinden kann. Denn wer sie kennt, der liebt sie. 

Diagonale‘21
Festival des österreichischen Films Graz
08. – 13.06.2021 
www.diagonale.at