CROSSING EUROPE: Was hält uns in der Gegenwart?

(c) "Gagarine" Fanny Liatard / Polyfilm

 

Welche Veränderungen kommen auf uns zu? Das CROSSING EUROPE Filmfestival zeigt Filme des Wandels. 

Schwerelos wie Jurij Gagarin: Wenn Einbildungskraft auf den Boden der Realität trifft. Der Film „Gagarine“ von Fanny Liatard. 

„Kooperationen und Allianzen entstehen dort, wo Vorstellungen geteilt werden. Das hat immer etwas mit Begeisterung zu tun“, ist Christine Dollhofer, Intendantin des CROSSING EUROPE, überzeugt.  

Einen utopischen Blick auf Gemeinschaft als Konstruktion von vielen wirft die Programmsektion Architektur und Gesellschaft. Kuratorin Lotte Schreiber hat Dokumentarfilme ausgewählt, die sich mit Modellen von Gemeinschaft in Europa beschäftigen. Wie sie gelebt werden kann, sogar über den Tod hinaus. Der preisgekrönte Film DEALING WITH DEATH ist eine Reise durch die Religionsgemeinschaften im Amsterdamer Vorort Bijlmeer. Je mehr Begräbnisrituale die Protagonistin Anita kennenlernt, umso größer ihr Zweifel an der Vision ein multikonfessionelles Bestattungsunternehmen zu gründen. An die persönliche Schmerzgrenze die eigene Utopie zu leben, geht der norwegische Regisseur Erlend E. Mo. „A JOURNEY TO UTOPIA ist eine utopische Reise; eine Pionierarbeit nicht nur im filmischen, sondern auch Sinne des Klimawandels: Was heißt es, ein ganzes Dorf ökologische aufzubauen und auszurichten“, so Dollhofer. In WEM GEHÖRT MEIN DORF begleitet Regisseur Christoph Eder in seinem Heimatdorf eine Bürgerinitiative, die sich für die Kommunalwahlen aufstellen lässt. Zu viel ist zu viel: ein Investor plant auf der Ostseeinsel Rügen ein Bauprojekt inmitten des Naturschutzgebietes. 

Die Lebensrealitäten der Jungen 

„Es wird nie mehr so wie früher“, sagt Lea Haslmaier. Als YAAAS! Young Programmer kuratierte sie mit anderen Jugendlichen die Jugendschiene. Dabei ist sie sich sicher, aus der Pandemie lernen zu können. Was? Auf alle Fälle, dass Amazon Prime dann doch nicht das Kino ersetzen könne. Bequeme Couch, hin oder her. „Es beginnt beim gemeinsamen Hingehen ins Kino, über die Aufregung sich über den Film auszutauschen“, meint Haslmaier. Im YAAAS! Wettbewerb stehen sechs aktuelle Langspielfilme in Konkurrenz um den mit 3.000 Euro dotierten Preis. Jeder Film zeichnet ein ganz anderes Bild einer Lebensrealität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sechs Spielfilme, sechs Lebensrealitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Themen gegenwärtig: sexuelle Belästigung in FORCE OF HABIT, der enorme Leistungsdruck einer jungen Skirennläuferin in SLALOM, die Suche nach den Wurzeln und der Ausbruch aus dem kindlichen Kokon in RÄUBERHÄNDE. Begeistert haben die Young Programmers die visuell starken Leistungen und die freien Erzählstile. 

Beim Ausnahmezustand, den die Festivalintendantin 2020 mit dem Transfer des Festivals in den digitalen Raum ausrief, soll es bleiben. „Wir haben die Situation gut gemeistert. Online kann aber immer nur ein zusätzliches, inklusives Angebot für Menschen sein, die ansonsten nicht ins Kino kommen können. Der Festivalspirit lebt davon, gesellschaftspolitische Themen innerhalb Europas und künstlerisch neue Stimmen in die Kinos, zum Publikum vor Ort zu bringen! Die Sehnsucht aller nach dem Gesamtpaket ‚Kino‘ ist groß. Unsere Branche lebt vom persönlichen Austausch in informellen Situationen, vom davor und danach, nach dem gemeinsamen Kinoerlebnis. Es ist das Zwischenmenschliche. Wir sind alle keine Roboter.“ 

CROSSING EUROPE Filmfestival 
01. – 06.06.2021 
www.crossingeurope.at