Lentos Kunstmuseum – Feministische Avantgarde

(c) Birgit Jürgenssen Frau, 1972

„Das Private ist politisch.“ Als Künstlerinnen sich von Form und Zwang befreiten.

Zu Beginn der 70er Jahre, als die Männer in Österreich per Gesetz noch das Familienoberhaupt waren, mit Züchtigungsrecht und auch dem Recht darüber zu bestimmen, ob die Ehefrau einen Beruf ausüben und eine Beschäftigung annehmen darf, konnte man bei Protestmärschen von Frauen, die für die Fristenlösung demonstriert haben, oft den Spruch „Das Private ist politisch“ lesen. 

Der Slogan wurde in weiterer Folge auf zahlreiche andere Debatten übertragen, in denen es darum ging, geschlechterspezifische Diskriminierungen aufzuzeigen. In dieser Zeit der sogenannten „Zweiten Frauenbewegung“ (nach dem ersten Großen Kampf um das Frauenwahlrecht, der in den meisten Ländern in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ausgetragen wurde) haben auch viele Künstlerinnen auf verschiedenen Kontinenten damit begonnen, die Unterdrückung der Frauen in ihrer Kunst politisch zu thematisieren. 

Zahlreiche Künstlerinnen haben den eigenen Körper als Medium ihrer Kunst einzusetzen begonnen.

VALIE EXPORT hat die sexuelle Ausbeutung der Frauen mit ihrem „Tapp und Tastkino“ desavouiert.

Hannah Wilke hat plastische Umsetzungen der Vulva einer von Phallussymboliken durchsetzten Gegenwart entgegengehalten. Suzy Lake begann weibliche Schönheitsideale zu dekonstruieren. Die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter wurde von vielen Künstlerinnen zur Kenntlichkeit entstellt, indem beispielsweise Renate Eisenberger den Boden eines Ganges bügelte oder Karin Mack sich gleich selbst auf das Bügelbrett gelegt hat.

Die Stimmen dieser Künstlerinnen verliehen auch den politischen Gruppen der Feminismus-Bewegung Gewicht. Das Pamphlet „Warum malt sie keine Blumen?“, das Renate Bertlmann für die Frauengruppe „Aktion Unabhängiger Frauen – AUF“ verfasst hat, fand auch in der allgemeinen Medienöffentlichkeit Beachtung. Trotzdem mussten sich die Künstlerinnen einen angemessenen Platz im Kunstbetrieb selbst erst mühsam erkämpfen.

Die Kunstkritikerin und Kuratorin Gabriele Schor, die auch die Sammlung Verbund aufgebaut hat, fasst die Arbeiten dieser Künstlerinnen unter dem Begriff „Feministische Avantgarde“ und hat auch die aktuelle Ausstellung im Lentos Kunstmuseum kuratiert.

Im Zentrum der gezeigten Arbeiten steht die Selbstermächtigung und Selbstbestimmung von Frauen, die die Definition weiblicher Identitäten selbst in die Hand genommen haben. 

Feministische Avantgarde 
24.09.2021 – 09.01.2022 
Lentos Kunstmuseum
Doktor-Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz
www.lentos.at