Tage der Utopie / various locations, Götzis, Vorarlberg

Abgehoben wie ein Fisch in der Luft: Die Tage der Utopie liefern seit 20 Jahren praktisch anwendbare Projektionen aus der Zukunft © Tage der Utopie
Abgehoben wie ein Fisch in der Luft: Die Tage der Utopie liefern seit 20 Jahren praktisch anwendbare Projektionen aus der Zukunft © Tage der Utopie

23.4. – 29.4.2023

Die Programmmacher Tage der Utope – des „Festivals für eine gute Zukunft“ –  lassen sich auch durch eine betrübliche Gegenwart nicht entmutigen. Im Gegenteil.

Seit 20 Jahren werden bei den Tagen der Utopie in Vorarlberg Ideen für eine bessere Welt erforscht und diskutiert.

Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger, den beiden „geistigen Vätern“ der Tage der Utopie ist es dabei im Kern immer darum gegangen, „unseren Möglichkeitssinn“ zu bestärken. Um aus Zukunftsbildern den Blick auf weg von den Defiziten hin zu den Ressourcen und ein ermutigendes Zusammenspiel von Lösungsansätzen zu lenken.

Hätte die Politik seither öfter auf die Anregungen, Empfehlungen und auch Warnungen gehört, die in diesen Jahren bei den Tagen der Utopie diskutiert wurden gehört, würden wir uns heute mit vielen krisenhaften Problemen nicht mehr in ihrer aktuellen dramatischen Form herumschlagen müssen.

Zum 20 Jahr Jubiläum der Tage der Utopie wurden Mitwirkende, Vortragende und Vordenker der vergangenen 20 Jahre eingeladen, in diesem Jahr ein „Gegenüber“ auszuwählen, mit dem man sich im Dialog in ein Thema vertieft. Der Schriftsteller Ilja Trojanow trifft auf den Politikwissenschaftler Ulrich Brand um über Universellen Kosmopolitismus und globale Solidarität in der Praxis nachzudenken.

Die Sozialunternehmerin Lisa Jaspers geht mit der „Aktivistin für eine transformative Schule“ Margret Rasfeld und Jamila Tressel der Frage nach, „warum wir das Patriarchat verlernen müssen“.

Und Kora Kristof vom Karlsruher Institut für Technologie bespricht gemeinsam mit Tilman Santarius, der Leiter der Forschungsgruppe „Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation“ der TU Berlin Möglichkeiten „erfolgreicher Wege einer digitalen, ökologischen und sozialen Transformation“.

Auch wenn die Wegbeschreibungen bereits vorliegen, für die interessengruppengeleitete Politik gilt leider wie es scheint:  Visionen für die Reparatur der Zukunft sind für den Sanktnimmerleinstag.

Geht es nach unserem „visionären Kanzler“, dann verschieben wir das, was wir heute schon tun könnten um die Probleme von morgen – wenigstens (!)  – zu lindern, lieber auf eine unbestimmte Zukunft. Denn es gibt ja „keinen Beweis für eine Untergangsapokalypse“. Wozu also eine rasch und einfach umsetzbare Geschwindigkeitsbeschränkung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen einführen oder den Ausstieg aus Verbrennnungsmotoren beschleunigen, wenn am Sanktnimmerleinstag mit synthetischen Kraftstoffen angetriebene Fahrzeuge eventuell ohnehin einen gewissen Marktanteil an der Gesamtmobilitätsflotte einnehmen … könnten.

Hans-Joachim Gögl analysiert das Verhalten von Menschen auf einer prinzipiellen Ebene: „Menschen neigen in Notzeiten dazu, zu versuchen, das Bestehende besser zu gestalten, statt danach zu fragen, was das Bessere sein könnte, wodurch man es ersetzen könnte.“

Vielleicht sollte man dem Kanzler raten, selbst die Tage der Utopie zu besuchen: Für lebenslanges Lernen ist es nie zu spät.

Tage der Utopie
23.4. – 29.4.2023
various locations
Götzis, Vorarlberg
www.tagederutopie.org