
30.01.2026 – 31.05.2026
Street Photography ist ein Begriff, der heute allgemein bekannt ist. Doch das ist kein Novum. Ein Vorgänger waren die sogenannten „Gehfilmer“ – Straßenfotografen, die zwischen etwa 1927 und 1935 in größeren Städten und an touristisch stark frequentierten Orten tätig waren. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und des Rückgangs an Studioaufträgen nutzten sie belebte Plätze, Straßen, Märkte und Volksfeste, um zufällig vorbeikommende Passant*innen in einer Serie von drei Aufnahmen zu fotografieren. Nach der Aufnahme erhielten die Abgebildeten einen Zettel mit der Bildnummer und den Hinweis: „Sie sind gefilmt worden!“ Wer Interesse hatte, konnte die Bildstreifen wenige Tage später abholen. Im Falle des Grazer Fotografen und Gehfilmers Fritz Taufer war dies bei „J. Koch’s Söhne“ am Hauptplatz für 1,50 Schilling möglich. Beispiele von Gehfilm-Aufnahmen sind bis heute in zahlreichen steirischen Familienalben der Zwischenkriegszeit überliefert. Sie dokumentieren nicht nur die weite Verbreitung dieser fotografischen Praxis, sondern verdeutlichen zugleich, welche Bedeutung diesen Bildern als persönliche bzw. familiäre Erinnerungsträger zukam.
Die Ausstellung Der Grazer Gehfotograf zeigt eine Auswahl aus rund 1.200 nicht abgeholten Bildstreifen aus der Sammlung der Kuratorin Mila Palm. Sie machen das wenig bekannte Phänomen der Gehfilmer sichtbar, gewähren einen umfassenden Einblick in den Grazer Alltag und zeigen einen einzigartigen Querschnitt durch die Grazer Bevölkerung in den 1920er- und 1930er-Jahren.
Der Grazer Gehfotograf – Eine Stadt in Bewegung 1929–1932
30.01.2026 – 31.05.2026
Museum für Geschichte
Sackstraße 16, 8010 Graz
www.museum-joanneum.at










