SchreibART AUSTRIA

Literatur als Selbstverortung im Fremden.

Was treibt sie an: Autorinnen und Autoren, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben?

Anna Kim, Dimitré Dinev, Carolina Schutti, Susanne Gregor oder Michael Stavaric haben eines gemeinsam: Sie alle sind Autorinnen und Autoren, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben. Ihre Literatur ist so immer auch Ergebnis und Ausdruck einer erst im Laufe des Lebens neu angeeigneten Identität. Jede und jeder von ihnen bereichert mit dem Hintergrund, den sie aus ihrer Herkunftskultur mitbringen, gleichzeitig auch die Literatur der Sprache, in der sie schreiben. Autoren, die Sprachgrenzen überwinden, waren seit jeher Katalysatoren weltweiter Inkulturationsprozesse.

„Dimitré Dinev gelingt die Rückführung der Seele in die deutschsprachige Literatur“, schreibt etwa die Berliner Zeitung über den aus Bulgarien stammenden Schriftsteller mit Blick auf seine weit ausgreifenden wortmächtig witzigen Erzählungen, in denen die Wurzeln der großen slawischen Erzähltradition deutlich sichtbar werden.

„Die Begegnung mit fremden Konventionen und Denkmustern macht bewusst, wie sehr man in den engen Schablonen der eigenen Kultur befangen ist“, meint Thomas Rothschild von der „Presse“ über Anna Kim. Die in Südkorea geborene Autorin lebt heute in Österreich und schreibt auf Deutsch. Ihre lakonisch hellsichtig feine Sprache erzeugt einen Sog, der uns hierzulande sonst kaum geläufig ist.

Für den intellektuellen Tausendsassa Michael Stavaric (© Katrin Schuster) war das Übersetzen zwischen Sprachen immer schon Grundlage seiner Arbeit. Der studierte Bohemist arbeitet sowohl als Übersetzer als auch als Autor. In seinen eigenen Arbeiten verbindet sich eine sprudelnde Fantasie mit formal analytischen Auseinandersetzungen mit der deutschen Sprache. Sein grotesk-ironischer Humor erzeugt dabei einen Drive, der aus einem Sprach- und Kulturraum allein niemals ausreichend Treibstoff beziehen könnte.

Solche Gedanken greift das aktuelle Literaturförderprogramm schreibART AUSTRIA der Auslandskulturabteilung des Außenministeriums auf, und stellt bei dieser Auflage des Programmes Autorinnen und Autoren in den Mittelpunkt, die in der Zweitsprache schreiben.

Jeweils für zwei Jahre wird von einer Jury eine Gruppe von Autorinnen und Autoren ausgewählt, denen über das Netzwerk der Auslandskulturabteilung die Möglichkeit geboten wird, ihre Arbeiten weltweit zu präsentieren.

Dass sich Österreich so über den Weg der Literaturvermittlung in der Welt als ein Land präsentiert, das seine Inspiration und kulturelle Bedeutung immer schon aus der Begegnung und dem Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen gezogen hat, ist eine hilfreiche Klarstellung in der verwirrenden und verwirrten Zeit, in der wir leben.

INFO

schreibART
Alle Veranstaltungsinfos rund um das schreibArt-Projekt sowie die Autorinnen
und Autoren siehe

www.bmeia.gv.at/europa-aussenpolitik/auslandskultur/
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