“VIS Vienna Shorts” / Filmfestival 2019

"Housewife's Scream": Anna Vasofs Expanded Cinema Projekte reißen Löcher in das Vertraute.

28.05. – 02.06.2019; Wien
Klappe auf. Courage geht vor Schaumschlägerei: Das Vienna Shorts Festival verschafft der Substanz Gehör.

“Courage!” lautet das Motto des diesjährigen Vienna Shorts Filmfestivals, das damit ein Zeichen gegen die um sich greifende Perspektivenlosigkeit in der Gesellschaft setzen will. „Wir halten Ausschau nach positiven Visionen, sozialen Utopien und neuen Idealen, aus denen sich starke Gemeinschaften und ein Wir-Gefühl entwickeln können, ohne auf allzu einfache Konzept wie nationale Identität zurückgreifen zu müssen“, geben die Festivalleiter Doris Bauer und Daniel Ebner die Richtung für das diesjährige Programm vor.

Rund 300 Filme unter 30 Minuten werden auch heuer wieder im Programm gezeigt werden. Die Teilnahme im Programm ist für junge Filmemacherinnen und Filmemacher schon allein deshalb attraktiv, weil die Vienna Shorts zu den Oscar Qualifying Festivals zählen. Die Gewinner des Wettbewerbes sind damit automatisch für die Oscar Long-List in der Kategorie Kurzfilm qualifiziert. Ab diesem Jahr winkt noch ein weiterer Anreiz: Das Festival ist heuer erstmals auch Partner der Europäischen Filmakademie und damit darüber hinaus auch Qualifying Festival für den Europäischen Filmpreis.

Ebner und Bauer haben ein klares Bild, wonach sie für Ihr Programm suchen: „Die kurze Form steht für formale Innovation und setzt künstlerische Impulse für die gesamte Filmlandschaft. Und das Festival, als prozesshaftes Gebilde inmitten eines komplexen Umfelds, propagiert jene Kunst- und Kulturformen, die im regulären Kinobetrieb ohnedies selten Raum finden.“

Systemkritik im Popkulturlook: Freedom and Independence von Bjørn Melhus.

Durch non-lineare Streaming-Anbieter hat sich nicht nur die Art verändert, wie wir Filme konsumieren, sondern auch das Format der Filme selbst. Kurzfilme und Kurzdokus werden immer attraktiver für ein breites Publikum. Diesen Entwicklungen will Festivalleiter Daniel Ebner Rechnung tragen. „Die Welt und das Kino sind in Bewegung geraten: Die Produktionslandschaft hat sich vervielfacht, das Sehen von Filmen hat sich verändert, das Leben ist schneller, die Stadt diverser geworden“, so Ebner. Festivals wie das VIS bleiben aber weiterhin die wichtigste Plattform, um jungen Filmemacherinnen und Filmemachern ein Sprungbrett zu bieten.

Die Programmreihe IN PERSON/SPOTLIGHTS ist Filmemacherinnen und Filmemachern gewidmet, die ihre ersten Karrieresprünge schon gemacht haben: Die Arbeiten des Video- und Installationskünstlers Bjørn Melhus, der Dokumentaristin Alex Gerbaulet und der Medienkünstlerin Anna Vasof erhalten sowohl bei Filmfestivals als auch im Ausstellungskontext seit Jahren internationale Anerkennung.

Anna Vasofs kritische und narrative Arbeiten experimentieren mit dem Medium Film: Mit ihrer Mischung aus Performance, Kunst und Expanded Cinema reißen sie meist mit einem Augenzwinkern Löcher ins vertraute, alltägliche Regelwerk. „Mein Werk ist durch seinen Witz und sein Unheil universell zugänglich“, urteilt Vasof selbstbewusst und lapidar über ihre eigenen Arbeiten.

Die Vienna Shorts gehen in die nächste Runde, mit couragiertem Programm und klarer Haltung. Die aufstrebenden Filmemacherinnen und Filmemacher arbeiten sich dabei an den brisanten Themen unserer Zeit ab und schaffen lieber Film- statt Feindbilder. Dabei sind sie vor allem eines: laut. Denn im Film wie im Leben gilt heute: Klappe auf!

VIS Vienna Independent Shorts
28.05. – 02.06.2019
Various locations
Wien
www.viennashorts.com

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