“Vienna Biennale 2019” / Wien

29.05.2019 – 06.10.2019; Wien
Schöne neue Werte. Die Vienna Biennale eforscht die digitale Zukunft zwischen Utopien und Dystopien.

Künstliche Intelligenz wird die Gesellschaft in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Nach welchen ethischen Prinzipien werden Algorithmen dann ihre Entscheidungen treffen? Wie werden sich unsere sozialen Beziehungen verändern, wenn Maschinen schrittweise lernen unsere Gefühle zu spiegeln, kreativ zu „denken“ und so immer menschenähnlicher werden? Die Ausstellung „UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du.“ im MAK Museum Wien ist ein zentraler Einstiegspunkt in das breit gefächerte Programm an Ausstellungen, Konferenzen und Diskursveranstaltungen der diesjährigen Vienna Biennale, die sich mit höchst konkreten Fragen und gleichzeitig utopischen Konzepten zur Gestaltung der digitalen Welt der Zukunft auseinander setzt: Wie gilt es etwa, den öffentlichen Raum für eine demokratische, chancengerechte und freie Gesellschaft der Zukunft zu gestalten, aus der traditionelle Formen der Arbeit, Mobilität, des Handels oder des freien Spiels schrittweise verschwinden und die Überwachung durch vernetzte Systeme immer vollkommener wird?

Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK Museum Wien sowie Initiator und Leiter der Vienna Biennale setzt dabei auf einen spartenübergreifenden Diskurs: „Es ist nicht so schwierig zu beantworten, was eine bessere Gesellschaft der Zukunft sein könnte. Denn die Ursachen für unsere gesellschaftlichen Krisen sind ja evident: Was unsere Gesellschaften unter Druck setzt, ist die zunehmende Verteilungsungerechtigkeit, die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels und möglicherweise die Folgen ungesteuerter Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ohne Vorgabe von ethischen Prinzipien für sie. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wie kann der Weg zu einer besseren Gesellschaft gestaltet werden. Da stehen wir vor der Herausforderung, dass wir den Prozess der Digitalisierung und der weiteren Entwicklung von Künstlicher Intelligenz so gestalten müssen, dass wir sie als hilfreich und nicht als Bedrohung wahrnehmen. Es geht nicht darum, den noch perfekteren Überwachungsstaat zu etablieren, sondern im Gegenteil um die Frage, wie kann Digitalisierung den Menschen helfen, einen Rahmen für ein erstrebenswertes und gelingendes Leben zu gestalten.“

Dass nicht nur neue Technologien allein zu einem besseren Leben beitragen können, sondern auch Architektur, zeigt die Ausstellung Space and Experience im MAK. Nicole Stoecklmayr, Kuratorin der Ausstellung, will Architektur zeigen, die für jede und jeden da ist. „Mir war es wichtig, dass Projekte gezeigt werden, die frei zugänglich sind. Das heißt keine Privathäuser, keine exklusiven Einrichtungen, sondern öffentlich zugängliche Gebäude und Flächen.“ Eine zukünftige Herausforderung ist etwa die Frage, wie roboterfreundliche Architektur aussehen müsste. „Die Gestaltungsaufgaben müssen erweitert werden“, sagt Stoecklmayr „weil sich die Gesellschaft insgesamt verändert“ und wirft damit implizit die Frage auf, wem die Architektur der Zukunft vorrangig zu dienen hat: Den Menschen oder den Maschinen?

Die Ausstellung „Hysterical Mining“ untersucht die kodierten Beziehungen zwischen Geschlecht und Technologie.

Thun-Hohenstein ist jedenfalls davon überzeugt, dass spartenübergreifende, kreativoffene Prozesse die wichtigste Grundlage für die Gestaltung einer menschengerechten
Zukunft im digitalen Zeitalter sind: „In der digitalen Moderne brauchen wir auch eine intensive gesellschaftspolitische Diskussion über einen digitalen Humanismus.“

Um zu veranschaulichen wohin es führen könnte, wenn wir verabsäumen, die Debatte über KI und Ethik rechtzeitig zu führen, werden im Rahmen der Vienna Biennale auch dystopische Modelle weiter gedacht, die von der Annahme ausgehen, dass Künstliche Intelligenz den Menschen irgendwann einmal nur noch als Störfaktor auf diesem Planeten betrachten könnte. Diese Gedankenexperimente machen die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit den ethischen Fragen der digitalen Zukunft deutlich.

Programmanspruch der Vienna Biennale ist es, konkret und visionär zugleich zu sein: „Die Vienna Biennale verbindet – als einzige Biennale übrigens – Design, Architektur und Bildende Kunst, um so auch einen experimentellen und zugleich sehr konkreten Austausch zwischen den unterschiedlichen Disziplinen anzustoßen. Denn nur wenn wir uns gleichzeitig experimentell offen und sehr konkret mit diesen Fragen beschäftigen, werden wir auch tragfähige innovative Lösungen für die Gestaltung einer besseren Zukunft entwickeln können.“

Die Vienna Biennale fordert mutige Visionen im Umgang mit zukunftstragenden Themen und wirft einen gleichzeitig skeptischen und dennoch optimistischen Blick in eine Zukunft: Aufgebaut als begehbare Erzählung macht die Ausstellung Change Was Our Only Chance, im Angewandte Innovation Lab, kontrastierende Zukunftsvisionen sinnlich erfahrbar. Einer Welt gezeichnet von den verheerenden Auswirkungen der Umweltverschmutzung und des Klimawandels wird eine sozial-ökonomische Utopie gegenübergestellt, in der eine gerechte Vermögensumverteilung und eine Änderung des Konsumverhaltens bereits stattgefunden haben.

In der Kunsthalle Wien geht man der Beziehung von Macht und neuen Technologien nach. Die Ausstellung Hysterical Mining untersucht die Verschränkung von Technik und patriarchalischen Machtstrukturen aus feministischer Sicht.

Um Potentiale neuer Technologien zu verstehen und sinnvoll im Interesse der Menschen einzusetzen, bedarf es auch einer kulturellen Sensibilität für diese Veränderungsprozesse, die die Vienna Biennale herstellen will. Denn: Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht.

Vienna Biennale 2019
Schöne neue Werte.
Unsere Digitale Welt gestalten.
29.05. – 06.10.2019
www.viennabiennale.org

Changing Values
Konferenz des MAK und Slovak Design Center
Architekturzentrum Wien
06.09. – 07.09.2019

Uncanny Values
Künstliche Intelligenz & Du
MAK Ausstellungshalle
29.05 – 6.10 2019

Future Factory
Urbane Produktion neu denken
MAK Galerie
29.05. – 06.10.2019

Space and Experience
Architektur für ein besseres Leben
MAK Kunstblättersaal und MAK Säulenhalle
29.05. – 06.10.2019

Change Was Our Only Chance
Ein Projekt der Universität für angewandte Kunst
AIL Angewandte Innovation LAB
29.05. – 27.09.2019

Hysterical Mining
Eine Ausstellung der
Kunsthalle Wien
29.05. – 06.10.2019

Klimawandel!
Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft
MAK Designlabor
29.05. – 06.10.2019

Neuaufstellung MAK Design Labor
permanent ab 29.05.2019

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