Viennale 2020 / Wien

Nomery, Oleg Sentsov, UA/PL/CZ/FR 2020 (c) Viennale 2020

Reale Ausblicke auf absurde Dystopien: Der Film „Nomery“ von Oleg Sentsov zeigt, was mit einem autokratisch-totalitären Regime passiert, wenn sein Führer, die große „Null“ plötzlich stürzt. 

Schluss mit den Nullen. Der neueste Film des ukrainischen Regisseurs Oleg Sentsov, der im Hauptprogramm der diesjährigen Viennale präsentiert wird, ist eine politische Allegorie auf den Totalitarismus. In NOMERY unterliegen zehn nummerierte Figuren den strikten wie sinnlosen Regeln eines Herrschaftssystems, das zur Ausschaltung jeder Eigenständigkeit führt. Eine absurd-dystopische Gesellschaft, die plötzlich aus den Fugen gerät, als ihr Führer, die große Null, gestürzt wird. 

Wie immer befragt sich das Kino zur eigenen Geschichte und zur politischen Lage und wie immer tut es dies mit verschiedenen Akzenten und Ansätzen – erzählerisch, beschreibend oder beobachtend, mal sarkastisch, mal aus vornehmer Distanz. Mit einem Programm aus aktuellen Filmfeatures, Monografien und Kinematografien, lädt die Viennale in fünf neue Festival-Locations nach Wien ein. Neben der Präsentation aktueller Filmarbeiten aus der ganzen Welt wird ein Raum für den österreichischen Film und den Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum eröffnet. 

Die Beziehung zwischen Nähe und Distanz nimmt einen besonderen Platz in dem diesjährigen Filmprogramm ein, nicht zuletzt angesichts der aktuellen Situation. Um die Distanziertheit und Anonymität in Großstädten geht es beispielsweise in INTIMATE DISTANCES von dem britischen Regisseur Philip Warnell, der eine Frau in den Straßen New Yorks begleitet, während sie fremde Männer für eine Filmrolle castet. 

Kino made in Austria

Auch in der Filmbranche kommt es zunehmend auf Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung an. Die DIAGONALE, deren Festivalprogramm im März nur teilweise ins Netz gerettet werden konnte, bekommt im Rahmen der AUSTRIAN DAYS einen Gastauftritt bei der Viennale. Zu sehen sein wird unter anderem der Noir-Science-Fiction Film THE TROUBLE WITH BEING BORN von Sandra Wollner. Weitere österreichische Produktionen wie AUFZEICHNUNGEN AUS DER UNTERWELT von Tizza Covi und Rainer Frimmel, EPICENTRO von Hubert Sauper oder DAVOS von Daniel Hoesl und Julia Niemann erweitern das Repertoire der Austrian Days. 

Einige Filme aus dem Hauptprogramm feierten bereits ihre öffentliche Premiere, wie die amerikanischen Produktionen FIRST COW von Kelly Reichardt, einer der wichtigen Filme des Jahres, oder NEVER RARELY SOMETIMES ALWAYS, für den Eliza Hittman bei der diesjährigen Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Eine Monografie zu Christoph Schlingensief sowie zwei Kinematografien zu Želimir Žilnik und dem österreichischen Kino der 70er Jahre ergänzen das Programm der Viennale. 

Viennale 
22.10 – 01.11.2020 
Various locations
www.viennale.at