
24.09.2026 – 18.10.2026
Der steirische herbst steht heuer unter dem Motto Red Flags. „Red Flags“ wird in Psychologie-Diskursen für problematische Beziehungen verwendet und ist längst zu einem Meme der Dating-Kultur geworden. Gleichzeitig fungiert der Begriff heute als Warnsignal für alles, was bereits geringfügige Abweichungen von einer vorgegebenen ideologischen Linie darstellt. Man neigt dazu, Vorsichtsmaßnahmen zu begrüßen und Konfrontationen lieber aus dem Weg zu gehen. Genau dieser Haltung stellt sich der steirische herbst seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, entgegen.
Dennoch sieht man überall auf der Welt – und die Steiermark ist da keine Ausnahme – viele beunruhigende Zeichen. Manche davon mögen harmlos erscheinen, wie die Einführung eines neuen Festivals für den Landespatron oder der Vorschlag für ein Haus der Volkskultur. Andere sind längst nicht mehr nur „Red Flags“, sondern Lauffeuer, die sich rasend schnell ausbreiten: Antidiskriminierungsprogramme werden gekürzt, Migrant:innen abgeschoben, die Meinungsfreiheit wird bedroht, das verstaubte Patriarchat wird hofiert und zementiert, zeitgenössische Kultur wird finanziell ausgehungert und marginalisiert und selbst die Moderne als solche wird als Irrweg infrage gestellt.
Das Festival eröffnet am Grazer Karmeliterplatz mit einer musikalischen Performance von Julian Warner, der in No Surrender: Kampf um die Moderne (2026) mit einem Wrestlingmatch auf die vielen ideologischen Kämpfe in unserer Gesellschaft verweist.
Am zweiten Tag des Eröffnungswochenendes eröffnet die zentrale Ausstellung mit der intensiven Tanzperformance Slamming Unplugged (2024) von Xenia Koghilaki.
Für die Ausstellung wird ein spannender Leerstand fernab gewöhnlicher White Cubes oder Black Boxes mit neuen Auftragsarbeiten zum Leben erweckt: Das Haus aus dem 17. Jahrhundert steht an einer stark frequentierten Kreuzung am Griesplatz 34, auf der einstigen „schlechten Seite“ der Mur, die die zentralen Grazer Bezirke bis heute sowohl geografisch als auch sozioökonomisch trennt.
Ein umfangreiches Performanceprogramm greift im Anschluss an die Eröffnung dessen Themen auf: In seiner Inszenierung eines Theaterstücks von Nobelpreisträger Romain Rolland erkundet Lennart Boyd Schürmann in Liluli: Allegories of the Western Soul (2026) die Allegorie als Form, die Menschen erlaubt, Götter zu spielen und die Wirklichkeit aus der Distanz zu betrachten. Die in Wien lebende Choreografin und Musikerin Stina Fors schafft in Rhododendron (2026) eine Symbiose zwischen sich und der reichen Architektur der Welschen Kirche, einem verborgenen Barockjuwel in Graz. Die politische Kraft des Rückzugs und die prekäre Sichtbarkeit von Jugend untersucht Francesca Grilli in Record: Graz (2026).
Das Programm der herbstvermittlung richtet sich heuer an jene, die wegen alltäglicher „Red Flags“ im Alarmzustand sind, oder vielleicht kürzlich selbst zu einer geworden sind – an alle also. Das Angebot reicht vom Workshop mit herbstkabarett-Artist Krõõt Juurak (Witze erzählen – für Kinder ab acht Jahren) bis zu wöchentlichen offenen Abbauworkshops: Hier werden gemeinsam „Red Flags“ aus dem persönlichen Leben identifiziert und die durch sie entstandenen Barrieren, die uns als Gesellschaft spalten, abgebaut.
steirischer herbst ’26: Red Flags
24.09.2026 – 18.10.2026
various locations Graz / Steiermark
www.steirischerherbst.at










